Energieversorger (EVU) stehen zunehmend unter Druck: Transparenz, neue Gesetzestexte (Mantelerlass), strategische Beschaffung, verlässliche Prozesse, all das bildet heute die Grundlage eines strukturierten HKN-Managements. Als jemand, der seit Jahren mit Schweizer EVUs zusammenarbeitet, beobachten wir die zunehmende Dynamik im Markt aus nächster Nähe: Die Anforderungen steigen, die Abläufe verdichten sich, und die Fehleranfälligkeit wächst.
Dieser Artikel soll einen verständlichen, praxisnahen Überblick geben:
- Wie funktionieren Herkunftsnachweise?
- Wie sieht der Markt heute aus?
- Welche Herausforderungen prägen den Alltag der EVUs?
- Und vor allem: Welche neuen regulatorischen Vorgaben verändern den Markt in den kommenden Jahren grundlegend, und was kann man dagegen unternehmen?
Was ist ein Herkunftsnachweis?
Herkunftsnachweise sind elektronische Zertifikate, die belegen, aus welcher Energiequelle Strom produziert wurde. Für jede erzeugte Megawattstunde entsteht genau ein HKN, unabhängig davon, wie der Strom physisch fliesst. Diese Entkoppelung ist entscheidend: Strom aus unterschiedlichen Kraftwerken vermischt sich physisch im Netz, doch der HKN dokumentiert die Herkunft der produzierten Energie.
Die Schweiz verwaltet das System über Pronovo, das alle registrierten Produktionsanlagen sowie Ausstellung, Handel und Entwertung der Zertifikate betreibt. Dadurch ist der gesamte Lebenszyklus eines HKN digitalisiert und international anschlussfähig. Denn HKN können auch über Landesgrenzen hinweg gehandelt werden, ein wesentlicher Faktor für die Beschaffung vieler EVUs.
Der Prozess im Detail
Der HKN-Prozess umfasst mehrere Schritte, die je nach EVU unterschiedlich komplex ausfallen:
- Produktion - Erfassung der Erzeugungsmengen
- Generierung - Ausstellung der HKN durch Pronovo
- Handel - Bilaterale Geschäfte, Händler oder Plattformen
- Zuteilung - Zuordnung zu Produkten und Kundensegmenten
- Entwertung - Nutzung für Stromkennzeichnung
Der Schweizer Markt heute
Der Markt ist stark geprägt durch die traditionelle Schweizer Wasserkraft. Wasserkraft-HKN dominieren die Mengen, auch wenn der Ausbau der Solarproduktion spürbar zunimmt. Die Nachfrage nach Schweizer Solarenergie wächst allerdings langsamer als das Angebot, da viele Energieversorger Ihren Produktemix hierzu anpassen müssten. Viele Energieversorger decken ihren Bedarf zusätzlich mit europäischen HKN, etwa aus norwegischer Wasserkraft.
Gleichzeitig machen neue Gesetzestexte den Einkauf europäischer HKN nicht mehr unbeschränkt möglich. Dies dürfte den Preis der Schweizer Herkunftsnachweise voraussichtlich weiter steigen lassen, da nicht mehr so einfach auf oftmals günstigere europäische Möglichkeiten gewechselt werden kann. Man rede von quartalsweiser Beschaffung und dem geforderten Mindestanteil von 2/3 Schweizer Erneuerbar.
Hinzu kommt eine zunehmende Preisvolatilität: Die Märkte sind dynamischer geworden, Angebot und Nachfrage reagieren sensibel auf Wetterjahre, politische Entwicklungen und regulatorische Änderungen. Kleine und grosse EVUs verfolgen oft sehr unterschiedliche Beschaffungsstrategien, von langfristigen Rahmenverträgen bis hin zu kurzfristigen Marktkäufen.