Co-Autorin und -Autor
Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit folgenden Personen:
- Lionel Fontannaz, Leiter Bereich Elektrizität, OIKEN
- Ana Vukicevic, Abteilungsleiterin Strategisches Assetmanagement, Services industriels Lausanne
Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit folgenden Personen:
Die Umsetzung der Energiewende erfordert eine geeignete Netzinfrastruktur. Sie muss den Herausforderungen der Integration dezentraler Produktionsanlagen (z. B. Installation von Photovoltaikanlagen auf Dächern) und neuen Nutzungs- und Verbrauchsweisen (z. B. steigender Strombedarf durch Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen, Entwicklung des Eigenverbrauchs, Nutzung von Flexibilität usw.) gerecht werden. In diesem Zusammenhang hat die strategische Planung des Stromnetzes mögliche Auswirkungen auf die internen Ressourcen, insbesondere die finanziellen, aber auch die personellen, vorwegnehmen. In diesem Artikel beschreiben wir den Standardansatz, den wir implementiert haben, um die Auswirkungen der Energiewende auf die Infrastruktur der Schweizer Verteilnetzbetreiber (VNB) zu bewerten.
Dieser Ansatz soll nicht die Aktivitäten des VNBs in Bezug auf die Dimensionierung der Infrastruktur, die operative Planung oder das Asset Management des Verteilnetzes ersetzen. Er soll vielmehr einen Ausblick auf die Jahre 2025 bis 2050 in Bezug auf wichtige strategische Kennzahlen geben. Ziel ist es, den Bedarf für die Verstärkung des Netzes langfristig zu planen und zu antizipieren, wobei die lokalen Besonderheiten des Versorgungsgebiets (z. B. Netzwerktopologie, Verbrauchertypen, dezentrale PV-Erzeugung, Flexibilitätsquellen usw.) berücksichtigt werden. Die Analyse umfasst insbesondere:
Die Methodik dieser Analyse berücksichtigt die dezentrale Struktur des VNB-Netzes und ermöglicht die Realisierung einer strategischen Planung. Einerseits stellt diese Analyse einen konkreten Fall der Verwendung der internen Daten des VNBs dar (z. B. Netzdaten, Lastkurven und Messdaten): Der Aufbau des Verteilnetzes wird berücksichtigt, indem jedes Gebäude und jedes Netzelement (z. B. Abschnitte und Impedanzen, Abgänge, MS-NS-Stationen usw.) des Versorgungsgebiets modelliert wird. Darüber hinaus kann das individuelle Stromverhalten jedes Gebäudes mit Hilfe von speziell für diese Analyse entwickelten Machine-Learning-Tools detailliert modelliert werden. Andererseits zielt diese Arbeit darauf ab, innerhalb weniger Monate Ergebnisse auf strategischer Ebene für eine Geschäftsleitung bereitzustellen. Dieser kurze Zeitraum ermöglicht es den Teams des VNBs, sich schnell mit dem Thema auseinanderzusetzen und gleichzeitig den damit verbundenen Aufwand zu kontrollieren. Aus strategischer Sicht können die Ergebnisse der Studie zudem schnell aktualisiert werden, sollten sich die zu berücksichtigenden Energieszenarien ändern.
Unser Ansatz ist in fünf Module unterteilt. In diesem Artikel veranschaulichen wir diesen am Beispiel des Verteilnetzes von OIKEN und des dazugehörigen Versorgungsgebiets. Eine ähnliche Arbeit wurde für SiL in ihrem Versorgungsgebiet durchgeführt.
Die Analysen der einzelnen Module wurden von E-CUBE durchgeführt. Die Teams von OIKEN und SiL leisteten Unterstützung bei der Anpassung der berücksichtigten Netzdaten (Topologie, Impedanzen, Leistungen usw.) sowie bei der Validierung der wichtigsten Annahmen (z. B. zu den anwendbaren PV-Ausbauszenarien).
Die Ergebnisse der Analyse wurden aggregiert nach Fünfjahreszeiträumen dargestellt, damit sie sowohl den operativen Teams von OIKEN und SiL als auch auf Stufe der Geschäftsleitung mitgeteilt werden können. Ein zentrales Ergebnis ist die Schätzung der zusätzlichen Kosten für die Netzverstärkung (zusätzlich zu den bereits für die Instandhaltung und Erneuerung der bestehenden Infrastruktur geplanten Kosten), die durch den Einsatz von PV und die Elektrifizierung im Versorgungsgebiet entstehen. Diese Schätzung soll es OIKEN und SiL ermöglichen, den zusätzlichen Finanzierungsbedarf zu antizipieren.
Diese Ergebnisse wurden anhand unterschiedlicher Sensitivitätsanalysen untersucht:
Die Berücksichtigung flexibilisierter Lastprofile in der Analyse (z. B. Verschiebung des Ladevorgangs von Elektrofahrzeugen, Steuerung der PV-Einspeisung, Batterien usw.) ermöglicht es, Sensitivitätsanalysen mit oder ohne netzdienlichen Einsatz der Flexibilität durch den VNB durchzuführen. Durch die Flexibilisierung der Nutzung und die Steuerung der PV-Einspeisung können Investitionen vermieden oder zeitlich verschoben werden, was dazu beiträgt, die Investitionen des VNBs in den Netzausbau zu reduzieren. Darüber hinaus ermöglicht die detaillierte stündliche Analyse die Ermittlung der Art der Einschränkungen, mit denen OIKEN und SiL überwiegend konfrontiert sein werden (z. B. Einschränkungen aufgrund von Spannungsanstiegen verursacht durch PV-Überschüsse oder Überschreitungen der Abgangsleistung aufgrund des Verbrauchs von Wärmepumpen oder Elektrofahrzeugen). Zudem ermöglicht die Analyse die Ermittlung der wichtigsten Flexibilitätsquellen, die am besten geeignet sind, um auf Netzbelastungen zu reagieren.
Schliesslich ermöglichte der hohe Detaillierungsgrad der Modellierung die Erstellung weiterer strategischer Kennzahlen, die für die langfristige strategische Planung von OIKEN und SiL relevant sind, wie z. B.:
Dieser analytische und modulare Ansatz ermöglicht die Projektion wichtiger Kennzahlen für die langfristige strategische Planung von Verteilnetzen. Dazu stützt er sich auf eine detaillierte Modellierung des Stromnetzes und des Stromverbrauchsverhaltens an jedem einzelnen Netzanschlusspunkt. Darüber hinaus ermöglichen Sensitivitätsanalysen erste Schätzungen des wirtschaftlichen Potenzials der Flexibilität im Versorgungsgebiet und der für den VNB attraktivsten Bereiche. Eine mögliche Weiterführung der Arbeit ist die Bewertung der potenziellen Auswirkungen auf die Netznutzungstarife.