Die tägliche Prognose gilt heute als zentrales Instrument der stromseitigen Energiebeschaffung. Sie verbindet Wetter, volatile Erzeugung aus erneuerbaren Energien, Marktpreise und regulatorische Vorgaben. Unser Ziel ist klar: möglichst präzise einschätzen, wie viel Energie kurzfristig beschafft oder verkauft werden muss.
8.00 Uhr in Zug. Während viele ihren ersten Kaffee holen, läuft bei uns die Prognose bereits. Bis 10.00 Uhr müssen die Prognosen für den nächsten Tag vorliegen – gemeldet an die Bilanzgruppe der Axpo, auf die Viertelstunde genau. Was nach Routine klingt, verlangt höchste Konzentration. Zwischen Sonne, Nebel, Wind sowie Intraday- und Ausgleichsenergiepreisen geht es jedes Jahr um Millionenbeträge.
Wir arbeiten im Prognoseteam der Energiebeschaffung bei WWZ. Unsere Aufgabe ist es, Verbrauch und Netzeinspeisung möglichst präzise einzuschätzen. Jede Prognose wirkt sich direkt auf die Strombewirtschaftung – und damit auf die Kosten für unsere Kundinnen und Kunden – aus.
Wetter lesen, Daten verdichten, Entscheidungen treffen
Viele stellen sich unsere Arbeit wie einen klassischen Bürojob vor. In Wahrheit läuft vieles gegen die Zeit. Unser Tag beginnt mit Wetterkarten von MeteoSchweiz, Produktionsdaten aus Wasserkraft und Photovoltaik, Verbrauchszahlen sowie historischen Vergleichswerten. Daraus entstehen Prognosen für Einspeisung und Ausspeisung im 15-Minuten-Raster.
Zieht Nebel auf, sinkt die Solarproduktion. Fehlender Strom muss kurzfristig am Markt beschafft werden. Steigt der Intraday Preis – insbesondere dann, wenn der Zeitpunkt der Nebelauflösung schwer abschätzbar bleibt und grosse Teile des Landes betroffen sind –, wächst der finanzielle Druck deutlich. Zwar lässt sich Nebel oft früh erkennen, doch Zeitpunkt und Dauer seiner Auflösung hängen von zahlreichen meteorologischen Faktoren ab. Genau das macht die Prognose besonders anspruchsvoll.
Bei Abweichungen bietet sich der Verkauf im Intraday-Markt an. Dieses Instrument glättet Prognoseabweichungen kurzfristig und reduziert teure Ausgleichsenergie. Hinter jeder Entscheidung steht ein ständiges Abwägen zwischen Risiko und Chance.
Im Intraday verfügen wir über belastbare Schätzungen, aber nie über absolute Sicherheit. Deshalb rechnen wir mehrmals täglich neu, vergleichen ähnliche Tage, simulieren Szenarien und prüfen unsere Modelle. Daraus leiten wir ab, welche Energiemengen sich sinnvoll nachsteuern lassen. Schon kleine Abweichungen haben Gewicht. Wenige Megawatt Unterschied wirken sich direkt auf den Bilanzkreis aus und erhöhen den Bedarf an Ausgleichsenergie – ein mittlerweile relevanter Kostenblock in der Energiebeschaffung.